Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Ursula Bolender, 54, Lehrerin
Das erste, was mir auffällt, als ich über die Schwelle trete, sind diese so wohltuend offenen Menschen, die mich begrüßen. Ich fühle mich wohl hier; angenommen, nicht bewertet, eingeordnet, analysiert und katalogisiert. Ich bin ein Gast, eingeladen von einer jungen Frau, die ich noch gar nicht so lange kenne, und ich will mir das mal anschauen, von dem sie so begeistert erzählte: Ein ganz spezielles Bildungsprogramm, bei dem es darum geht, die Vergangenheit dorthin zu stellen, wohin sie gehört, und dann mit vollem Potenzial eine neue Zukunft zu erschaffen. Gerne fülle ich die Karte aus, sag’ wer mich eingeladen hat, die Journalistin Sandra Heim und klebe mir ein Namensschild an. Ich solle möglichst eine halbe Stunde eher da sein, meinte Sandra und das ist gut so, denn ich kann mich schon mal umsehen, die Atmosphäre schnuppern, mir einen Platz suchen, gleich in der ersten Reihe, damit ich auch alles mitbekomme. Meine Gastgeberin ist noch nicht da, doch ich fühle mich von Anfang an wohl unter all diesen unterschiedlichen Menschen. Das fiel mir als erstes auf: Hier sind Menschen der unterschiedlichsten Alters- und Interessengruppen vertreten, ein breites Spektrum an Berufen, an Bildungsschichten, an Nationalitäten. Das ist es, was von Anfang an so völlig anders ist für mich, wohltuend anders: Hier geht es wirklich ganz einfach um das Menschsein, nicht um die Rolle, die man gerade im Leben spielt, nicht um ein bestimmtes Interessengebiet, nicht um Abspaltung, sondern um Zusammenführung.
Von Anfang an bin ich höchst konzentriert bei der Sache, fasziniert von dem Forumleiter, der voller Schwung und Klarheit den Abend eröffnet. Was mich bei dem auf englisch gehaltenen Vortrag ganz speziell fasziniert, das ist die geniale Übersetzung, die hier geliefert wird. Da ist eine attraktive, junge Frau und sie übersetzt nicht einfach, sondern die beiden Redner vor mir befinden sich absolut auf gleicher Wellenlänge, so als sprächen sie mit einer Stimme in zwei Sprachen. Fantastisch, das zu erleben, als Lehrerin für Fremdsprachen. Wie kann ich das meinen Schülern beibringen, denke ich, dass sie eine Fremdsprache so hören und aufnehmen?
Dann kommen Menschen nach vorne, die das Landmark Forum schon absolviert haben, erzählen, was sie für sich und ihr Leben gewonnen haben durch diese transformatorische Arbeit. Es sind oft ganz einfache Geschichten: bessere Kommunikation am Arbeitsplatz, ein liebevolleres Verhältnis zu den Eltern, neue Leidenschaft in der Beziehung, Aussöhnungen, Aussprachen und doch ist zu hören, welche neue Lebensqualität durch all das Aufräumen möglich wurde. Die Menschen, die hier sprechen, sind authentisch, echt, aufrichtig. Man kann nachempfinden, dass sie absolut hinter ihrem Wort stehen.
Schon längst geht mein Blick ab und zu auf die Tafel mit den Daten für die nächsten Landmark Foren und gleich in der ersten Pause stehe ich am Anmeldetisch, denn hier gibt es keine Zeit zu verlieren. Das verstand ich spätestens bei der ganz speziellen Einlage des Forumleiters, als er sich all diese Tücher auf den Kopf stapelte und jedes Mal sagte „later“, „later“,…. genau das wiederspiegelnd, was wir im Leben so machen: aufschieben, vertrösten, ausweichen und eben nicht zupacken, in Aktion gehen und präsent sein.
Das war der Anfang einer ganz besonderen Erfahrung in meinem Leben, zu einem Zeitpunkt, als ich beschlossene hatte: Keine Seminare mehr, genug mit all der Theorie, jetzt möchte ich endlich all das ins Sein bringen. Dabei dann immer wieder dieses frustrierende Gefühl: Wieso geht es nicht? Was steht immer wieder zwischen all den tollen Ideen und ihrer Verwirklichung? Warum habe ich immer wieder das Gefühl, Mauern einrennen zu müssen? Und warum vor allem sind wir Menschen uns so fremd?
Was ich gewonnen habe aus diesem letzten Jahr, in dem ich das gesamte Landmark Curriculum absolviert habe, ist ein unglaublicher Zuwachs an Lebensfreude, Offenheit und Menschenliebe. Früher glaubte ich, offen zu sein und verurteilte insgeheim meine lieben Mitmenschen für ihre Verschlossenheit. Heute brauche ich all den Menschen in meinem Umfeld nicht mehr auszuweichen. Es ist ganz allein meine Wahl, offen mit ihnen zu sein. Für meine Schüler war ich vielleicht eine nette freundliche Lehrerin, bei der man etwas lernen kann und die doch insgeheim diesen Lehrermakel, alles besser zu wissen, mit sich herumträgt.
Heute bin ich wirklich bei meinen Schülern, nehme sie ganz anders wahr, hab’ keine Scheu ihnen meine Zuneigung zu zeigen und auch keine Bedenken beim Einfordern ganz klarer Verhaltensweisen.
Auch in Fortbildungsprogrammen wird das vermittelt, doch es ist nicht umsetzbar, wenn da immer wieder irgendwelche alten Programme in uns ablaufen. Und jeder trägt diesen Rucksack der Vergangenheit mit sich. Man kann es sehen beim anderen, doch bei sich selbst oft nicht. Und genau darum geht es im Landmark Forum: Diesen blinden Fleck aufzuspüren und als das zu entlarven was ihn ausmacht: eine Identität, die man sich irgendwann aufbauen musste, weil man nichts anderes kannte. Dazu kamen die Rollen und Masken, die Bildungsgrade, die so wichtigen Urteile anderer und mehr und mehr glauben wir an die Rolle, die wir spielen, schränken uns dadurch völlig ein in dem, was möglich ist.
Ich unterrichte jede Woche rund 200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 20 Jahren, erlebe ihre ganz speziellen Charaktere, kenne oft den familiären Hintergrund, habe viele Elterngespräche, Arbeitsgespräche und auch persönlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Konferenzen, Teamsitzungen, eben das ganze Spektrum des Lehrerberufs. Dazu kommt ein Privatleben mit einem großen Bekanntenkreis.
Durch die Arbeit bei Landmark Education gelingt es mir, all diesen Anforderungen mit einer ganz neuen Leichtigkeit zu begegnen, auch dann, wenn es mal gar nicht so leicht ist, die Konflikte überhand zu nehmen scheinen. Ich habe meinen Beruf immer als Berufung verstanden, liebe es, junge Menschen ins Leben zu begleiten und fühlte mich mit meinen Visionen von neuen Arten der Bildung und Erziehung oft etwas fehl am Platz, auch allein gelassen. Jetzt weiß ich, dass alles möglich ist, erlebe es tagtäglich, dass ich genau an dem Platz wo ich bin, alles umsetzen und angehen kann. Diese lähmende Angst, nicht geliebt, nicht gesehen und anerkannt zu werden, die man sich als Erwachsener gar nicht so gerne eingesteht, die kann ich als das sehen und annehmen, was sie ist: nicht real, eine Illusion, die sich irgendwann verfestigt hat und ich kann mich frei bewegen und merke, wie mein Umfeld sich in gleichem Maße verändert, wie meine Schüler zu einer klaren Haltung befähigt werden, wie Projekte unterstützt werden, wie Menschen mit mir in Kommunikation sind.
Es geht um eine Ausbildung im Menschsein bei Landmark Education und es handelt sich um ein Bildungsprogramm, das Einzug finden sollte überall da, wo es um Gemeinschaften geht, damit die Menschen sich gegenseitig fördern, in ihre Möglichkeiten bringen, sich coachen anstatt sich in Rangordnungen und Hierarchien zu verfangen. Es geht dann nicht mehr darum, gut und sogar besser dazustehen, sondern man erlebt Gemeinschaften als sich unterstützende Netzwerke, getragen von jedem Einzelnen.
Ursula Bolender, im Februar 2008

































